Monitor Overdrive und Ghosting: Reaktionszeit richtig einstellen
Was GtG, Overdrive und Inverse Ghosting bedeuten und wie du die Reaktionszeit deines Monitors selbst passend einstellst.
Schlieren hinter bewegten Objekten? Meist ist es die Pixelreaktion
Overdrive richtig einzustellen kostet nichts und bringt oft mehr als ein Monitorwechsel. Wenn doch ein neuer Monitor fällig ist, hilft der PC-Konfigurator bei der Gesamtplanung.
Auf dem Datenblatt steht „1 ms“, und trotzdem zieht dein Monitor Schlieren hinter schnellen Objekten? Oder du hast die Reaktionszeit hochgedreht, und plötzlich erscheinen helle Ränder? Beides hängt mit der Pixelreaktion zusammen. Dieser Ratgeber erklärt, was GtG bedeutet, was Overdrive tut, wie Ghosting und „Inverse Ghosting“ entstehen und wie du die Einstellung selbst findest. Die Hauptquelle ist ein FAQ-Artikel von Blur Busters zu Overdrive-Artefakten. Er wurde im September 2013 erstmals veröffentlicht, im Juni 2019 aktualisiert und zuletzt im Februar 2021 geändert. Er ist also alt, und die Beispielmonitore im Text sind veraltet. Das Grundprinzip gilt aber weiterhin (eigene Einschätzung). Alle Angaben zu konkreten Modellen und Zahlen aus dem Artikel bezeichnen wir als solche. Für die Auswahl von Panel und Bildrate lies zusätzlich Monitor kaufen 2026.
Was bedeutet Reaktionszeit?
Die Reaktionszeit beschreibt, wie schnell ein Pixel von einer Farbe zur nächsten wechselt. Üblich ist die Angabe als GtG, Gray-to-Gray, also der Wechsel zwischen Grautönen. Die Angabe auf dem Datenblatt ist häufig ein Bestwert für einen günstigen Farbübergang, nicht ein Durchschnitt. Welche Messmethode ein Hersteller nutzt, ist meist nicht angegeben (eigene Einschätzung). Blur Busters verweist für das Thema auf einen eigenen Artikel zu GtG und MPRT (Stand dort Mai 2019). Den konnten wir nicht auswerten, wir nennen daher keine Details daraus. Praktisch gilt: Ein einzelner Millisekundenwert sagt wenig über das Bild in Bewegung.
Ghosting: Wenn Pixel zu langsam sind
Laut Blur Busters entsteht Ghosting, weil LCD-Pixel oft schneller zu einer Farbe wechseln als zurück. Dadurch zeigen bewegte Objekte an der Vorder- und Hinterkante unterschiedliche Artefakte. Du siehst einen Schweif oder verschmierte Kanten, vor allem bei dunklen Objekten vor hellem Hintergrund und umgekehrt.
Overdrive: Pixel antreiben
Overdrive ist eine Einstellung, die den Pixelwechsel beschleunigt, indem kurzzeitig eine höhere Spannung angelegt wird. Hersteller nennen sie unterschiedlich: ASUS spricht von „Trace Free“, BenQ von „AMA“ und Acer von „Overdrive“. Manche Modelle bieten nur zwei bis vier Stufen, andere über 100.
| Overdrive-Stufe | Typisches Bild (Blur Busters) |
|---|---|
| Zu niedrig | Ghosting, Schlieren hinter bewegten Objekten |
| Passend | Wenig Ghosting, kaum Ränder |
| Zu hoch | Coronas, auch „Inverse Ghosting“: Pixel schießen über die Zielfarbe hinaus und schwingen zurück |
Ein Beispiel aus dem Artikel: Auf einem ASUS VG278H bei 120 Hz war das Ghosting bei Trace Free 60 verschwunden, es blieben nur schwache Coronas. Bei Trace Free 100 waren die Coronas deutlich sichtbar. Das ist nur ein Beispiel für ein älteres Modell. Die besten Werte hängen vom einzelnen Monitor ab.
So stellst du Overdrive richtig ein
- Bildwiederholrate einstellen, die du später im Spiel nutzt. Overdrive wirkt je nach Hertz-Zahl unterschiedlich.
- Ein Testbild mit bewegten Objekten öffnen. Blur Busters nutzt dafür den UFO-Test bei 960 Pixeln pro Sekunde, du kannst einen ähnlichen Bewegungstest verwenden.
- Overdrive in kleinen Schritten erhöhen, bis das Ghosting verschwindet.
- Eine Stufe zurückgehen, sobald helle oder dunkle Ränder auftauchen.
- Mit variabler Bildwiederholrate (VRR) testen: Bei schwankenden FPS kann die gleiche Stufe anders wirken (eigene Einschätzung).
- Einstellung notieren, falls das Monitormenü eine Zurücksetzung auslöst.
Der Artikel empfiehlt, die Einstellung nach Augenmaß zu justieren. Es gibt keinen universell richtigen Wert. Bei Monitoren mit nur wenigen Stufen ist der Kompromiss schwerer zu finden.
Weitere Möglichkeiten gegen Schlieren
- Höhere Bildwiederholrate: Laut Blur Busters kann ein Monitor mit 120, 144 oder 240 Hz Übergänge weniger sichtbar machen. Mehr dazu in Hertz, FPS-Limit und VRR.
- Stroboskop-Hintergrundbeleuchtung (ULMB, LightBoost): Sie versteckt Pixelwechsel, indem das Licht zwischen den Bildern ausgeschaltet wird. Nicht jeder Monitor bietet sie, und sie wirkt je nach Modell nur bei bestimmten Bildraten (eigene Einschätzung).
- Panel-Technik: OLED-Panels schalten Pixel sehr schnell, haben dafür andere Eigenheiten (eigene Einschätzung), siehe OLED oder IPS im Vergleich.
- Passende Bildrate und FPS: Läuft das Spiel mit stark schwankender Bildrate, wirkt jede Einstellung schlechter. Ursachen dafür beschreibt 1 % Lows und Frametimes.
Ghosting oder etwas anderes?
Nicht jede Unschärfe ist Ghosting. Es gibt mehrere ähnliche Effekte, die du auseinanderhalten solltest (eigene Einschätzung, allgemein bekannt):
| Effekt | Woran du ihn erkennst | Wo du ansetzt |
|---|---|---|
| Pixel-Ghosting | Schweif hinter hellen oder dunklen Objekten | Overdrive erhöhen |
| Inverse Ghosting / Corona | Helle Ränder oder Schatten vor dem Objekt | Overdrive senken |
| Bewegungsunschärfe durch das Auge | Verschmiertes Bild trotz schneller Pixel | Höhere Bildrate, Strobing |
| Spiel-Bewegungsunschärfe | Unscharf auch im Standbild während der Kamerafahrt | Option im Spiel ausschalten |
| Kabel- oder Signalproblem | Flackern, Aussetzer | Kabel prüfen, siehe HDMI und DisplayPort |
Reaktionszeit beim Kauf einordnen
Verlass dich nicht auf die Angabe aus dem Datenblatt. Besser sind unabhängige Messungen mit Bildern der Übergänge, ohne dass man ihnen blind folgt. Achte auf Hinweise zu Überschwingern bei den vorhandenen Overdrive-Stufen. Ein Monitor, der nur bei einer Einstellung gut aussieht, die dann Coronas erzeugt, hat in der Praxis weniger Spielraum. Für Wettbewerbsspiele lohnt es sich, die Eingabeverzögerung zusätzlich zu betrachten, siehe Reflex und Latenz. Wie Monitor, Grafikkarte und Spiele zusammenspielen, zeigt 1440p-Gaming.
Einstellung im Alltag prüfen
Teste die gefundene Stufe nicht nur mit einem Testbild, sondern in zwei oder drei Spielen, die du wirklich spielst. Dunkle Szenen und helle Menüs eignen sich gut, weil dort die Übergänge zwischen sehr dunklen und sehr hellen Tönen am stärksten auffallen (eigene Einschätzung). Wenn du Videos oder Texte am Monitor bearbeitest, schalte Overdrive gegebenenfalls auf eine mittlere Stufe zurück, weil Überschwinger bei Schrift und Kanten stören. Viele Monitore speichern Profile, mit denen du zwischen Spielen und Büro umschaltest. Prüfe nach einem Treiber- oder Firmware-Update die Einstellung erneut, denn Werte können zurückgesetzt werden. Und lass dem Monitor nach dem Einschalten ein paar Minuten Zeit, bevor du beurteilst, wie er sich verhält (eigene Einschätzung).
Häufige Fragen
Soll ich Overdrive immer auf Maximum stellen?
Nein. Zu hohe Stufen erzeugen laut Blur Busters Coronas und Inverse Ghosting. Der beste Wert liegt meist in der Mitte.
Was ist Inverse Ghosting?
Pixel überschießen die Zielfarbe und schwingen zurück. Das zeigt sich als helle oder dunkle Ränder.
Stimmt die Angabe 1 ms auf dem Datenblatt?
Sie ist meist ein Bestwert für einen Farbübergang. Wie stark sie von der Praxis abweicht, hängt vom Modell ab.
Hilft ein höherer Hertz-Wert?
Laut Blur Busters können 120, 144 oder 240 Hz Übergänge weniger sichtbar machen.
Das passende Display für dein Setup
Panel, Bildrate und Anschluss gehören zusammen.
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