Volles Ohr: Die Stimme verrät das Alter!

By | 6. Oktober 2013

Die Macht unserer Stimme ist den meisten Menschen „irgendwie“ bewusst, doch wie können wir sie gezielt einsetzen? Was verrät unsere Stimme über unsere aktuellen Intentionen und Emotionen, über unseren Charakter, sogar über unser Alter? Erstaunliche Erkenntnisse liefern jüngere Forschungen von Wissenschaftlern aus Deutschland und der Schweiz: Schon nach 140 Millisekunden, also dem Zeitraum eines Wimpernschlages, hat ein anderer Mensch unbewusst die Emotionen in unseren Worten verarbeitet. Das gilt auch und gerade am Telefon.

Worte und Klänge!

Grundsätzlich können Aussagen schriftlich und mündlich getroffen werden, daher fragt es sich, welche Macht dem Klang einer menschlichen Stimme zukommt. Offenbar ist dessen Einfluss sehr hoch, denn nur über den Stimmenklang lassen sich konnotative Elemente einer Aussage identifizieren, die – im Gegensatz zu den denotativen Elementen – für die Emotionen zuständig sind, mit denen scheinbar eherne Wahrheiten gewichtet werden. Das führt dazu, dass wir etwas „mit Nachdruck“ sagen können, dass wir unsicher klingen und nicht zuletzt, dass wir über den Klang unserer Stimme beim Lügen ertappt werden.

Auch unser Alter ist über den Klang unserer Worte wenigstens intuitiv zu ermitteln, was trainierten Personen Spielraum für Manipulationen lässt: Je nach Bedarf können sie sich jünger oder älter stellen, wenigstens wenn sie telefonieren, aber auch, wenn sie ihr Outfit dem Wunschalter gemäß anpassen. Schauspieler und ihre Maskenbildner beherrschen diese Kunst. Das Alter ist nach Ermittlungen der Wissenschaft sogar für ungeübte Ohren herauszuhören. Der Berliner Sprachwissenschaftler Markus Brückl wollte das etwas genauer wissen und fand in Experimenten heraus, dass Menschen an der Stimme eines Gegenübers dessen biologisches Alter – also das gefühlte Alter – recht genau erkennen, wobei das Potenzial durch Stimmtraining eine „Verjüngung“ über den Klang von bis zu vier Jahren ermöglicht.

Emotionen über Worte wecken!

Der Stimmforscher Hartwig Eckert aus Flensburg rät, die intime Visitenkarte der eigenen Stimme gezielt einzusetzen, um Gefühle wach werden zu lassen. Auf diesen unterschwelligen Türöffner sollte niemand verzichten, denn er wirkt universell. Das wies der Genfer Psychologe Klaus Scherer in einem bemerkenswerten Experiment nach, in welchem Schauspieler zusammenhanglose Sätze in ihnen unbekannten Sprachen aufnahmen, die von Menschen aller möglichen Kulturkreise, die wiederum jene Sprachen nicht kannten, hinsichtlich der enthaltenen Emotionen vollständig identifiziert wurden. Der Klang der Worte übertrumpft ihren Inhalt: Das beweist dieses Experiment eindrucksvoll.

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