Tyrannen in der Chefetage – Unsicherheit macht aggressiv!

By | 5. Oktober 2013

Ein tyrannischer Chef, berüchtigt für seine Aggressivität gegenüber Mitarbeitern, wurde nicht unbedingt als Ekel geboren. Auch genießt er seine Macht viel weniger, als die Untergebenen glauben mögen. Management-Forscher und Psychologen liefern eine quasi entgegengesetzte Erklärung: Die permanente Unsicherheit in einer Entscheiderposition führt offenbar zu Wutanfällen und widersprüchlichen Anweisungen, Attacken auf Untergebene und zynischem Verhalten. Chefs sind allzu oft selbst Geplagte und Getriebene.

Tyrannischer Chef – so tritt er auf

Es gibt einige Kennzeichen, die bei allen Chefs dieser Sorte beobachtet werden. Genau daran richten Forscher auch ihre Untersuchungen aus, sie erstellen aus den folgenden Merkmalen ein stimmiges Profil:

  • Wutanfälle erfolgen unkalkulierbar, erscheinen unberechtigt oder gar unmotiviert.
  • Arbeitsaufgaben sind widersprüchlich und werden nicht selten widerrufen.
  • Lob und Tadel erfolgen zwar, aber aus Sicht der Beteiligten ohne substanziellen Hintergrund. Dadurch sind Mitarbeiter durch Tadel sehr verärgert, durch Lob allzu oft eher peinlich berührt als motiviert.
  • Es muss nicht immer Wut sein, die Mitarbeiter zur Verzweiflung treibt: Ein tyrannischer Chef kann mit schneidender Schärfe zynisch auftreten, so sehr, dass Mitarbeiterinnen nach leisen Worten des Chefs weinend das Büro verlassen. Auch das gilt als extreme Form von Aggressivität.

So unangenehm dieser Tyrann schon in der Beschreibung wirkt, so stimmig ist aus Sicht von erfahrenen Psychologen das Bild in sich: Hinter der Aggressivität steckt Unsicherheit und sonst eigentlich – nichts. Der Chef muss kein Sadist, Machtmensch oder größenwahnsinnig sein. Im Alltag tritt er unter Umständen als netter Kumpel auf, manchmal ist er der beste Familienpapa. Allein die Entscheiderposition treibt ihn in den Wahnsinn.

Was ist so prekär an einer Entscheiderposition?

Sigmund Freud zitiert in „Totem und Tabu“ die Forschungen des schottischen Ethnologen James George Frazer, die dieser im „Goldenen Buch“ (erschienen bis 1915) zu den Sitten von Urvölkern in Bezug auf deren Könige wie folgt beschrieb: Der König eines urzeitlichen Stammes wird oft gewählt, wenn das Amt nicht vererbt wird, doch kaum jemand drängt auf den Posten. Darum zwingt der urzeitliche Stamm manchmal einen der ihren auf den Thron und bindet ihn dort sogar fest. Er muss die Götter um Regen bitten und riskiert sein Leben, falls dieser nicht erscheint. Der König ist zwischen Unsicherheit, Angst und Aggressivität hin und her getrieben, kein Wunder, dass er ab und zu den Krieg befiehlt oder Stammesangehörige hinrichten lässt. Diese kleine Metapher, dem wahren Leben entnommen, besagt Folgendes: Eine Entscheiderposition erzeugt fürchterlichen Stress, der sich in Aggressionen entlädt. Der Chef macht irgendwie nichts richtig: Erfolge darf er nie allein verbuchen („Das Team hat gewonnen!“), Fehlentwicklungen hingegen lasten auf ihm wie der ausbleibende Regen. Wer wundert sich da noch über Tyrannei?

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